Finca-Andaluz

Darum ist – und bleibt – Reiten eine Schule der Menschlichkeit!


 

Auf dieser Seite möchte ich Ihnen nun die verschiedenen Lektionen und Reitweisen Spaniens vorstellen und erklären.

Auch ich arbeite nun schon seit 3 Jahren nach der Alta Escuela und dem Vaquero reiten. Ich bringe all diese Lektionen meinen Pferden vorerst vom Boden aus bei, da ich der Meinung bin, dass es den Pferden dann anschließend mit Reiter bedeutend leichter fällt. Hierdurch werden nicht nur Dominanzprobleme geklärt sondern das Pferd lernt sich frei zu tragen und ist mit viel Freude dabei. Dadurch verkürzt sich ebenfalls die Ausbildungszeit ungemein und die Lektionen sehen anschließend unter dem Reiter viel erhabener und freier aus, als wenn man sie dem Pferd gleich vom Sattel aus beibringt.

Nun mal als erstes zu den Reitweisen Spaniens:

Die Ausbildung: Drei Grundregeln hat ein spanischer Ausbilder:

  1. Ein Pferd ist nur Leistungsbereit wenn es dem Ausbilder vertraut.
  2. Schwierige Lektionen werden zuerst am Boden geübt.
  3. Niemals wird das Pferd mit Hilfszügeln geritten

 Die Alta Escuela (Hohe Schule)

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Die Kunst der Hohen Schule wurde im Barock-Zeitalter entwickelt und bekam von Lehrmeistern wie Guerinière und Pluvinel ihr theoretisches Fundament. Die Tugenden des Streitrosses aus den Nahkampfkriegen dieser Epoche (Wendigkeit, schnelles Steigen und Ausschlagen auf Kommando) wurden zu ästhetischer Vollkommenheit stilisiert und systematisch zur Gymnastizierung des Pferdes eingesetzt. Viele Lektionen der Alta Escuela sind daher Bestandteil gehobener Reiterei auch außerhalb Spaniens: Traversalen, Einerwechsel, Passage und Piaffe gehören zu jeder Grand-Prix-Prüfung. Die Schulen über der Erde wie Levade, Ballotade, Kapriole und Courbette kennen wir auch aus der Wiener Hofreitschule.

feriajz levada.JPG (24702 bytes)Neben der virtuosen Ausführung all dieser anspruchsvollen Lektionen zeigt die Alta Escuela allerdings auch noch den Spanischen Schritt, der nur in der iberischen Reitweise kultiviert wird. Hier knüpft man an das Imponiergehabe der Hengste an, die bei der Begegnung mit einem Rivalen mit dem Vorderbein weit nach vorne "durch die Luft rudern". Durch Touchieren mit der Gerte erreicht der Ausbilder das regelmäßige wechselseitige Anheben der Vorderbeine, das schließlich in eine erhabene Vorwärtsbewegung mündet. Diese Lektion trainiert enorm die Schulterfreiheit der Pferde, stellt aber auch hohe Anforderungen an ihre Koordinationsfähigkeit, da sich die Hinterhand in einem ganz anderen Rhytmus bewegt, als die Vorhand.

Doma Vaquera- die Arbeitsreitweise der spanischen Hirten

Die Doma Vaquera entstand in Andalusien aus der Arbeit der berittenen Hirten, die ihre Herden zu Pferd bewachten und weitertrieben oder einzelne Tiere aus der Gruppe heraussonderten. Als ursprüngliche Gebrauchsreitweise enthält sie viele Elemente, wie schnelle Stopps und Wendungen, die wir auch in anderen Arbeitsreitweisen (z.B. im Cutting des Westernreitens) wiederfinden.
Unverzichtbares und charakteristisches Element für die Doma Vaquera ist allerdings die Garrocha, eine bis zu 4m lange Holzstange. Diese wurde nicht nur zur allgemeinen Hütearbeit benutzt, sondern diente vor allem dazu, die Aggressivität einzelner Jungstiere im Hinblick auf ihre Arena-Tauglichkeit zu überprüfen.

 

Kaltenberg Foto Reiten Garrocha Foto: Kaltenberg Apassionata

Heute hat sich das Garrocha-Reiten zu einer eigenen Kunst- und Showform entwickelt. Die Garrocha wird dabei in der rechten Hand getragen, während mit links die blanken Kandarenzügel geführt werden. Da beim Pferd neben Wendigkeit und Temperament vor allem auch Nervenstärke gefragt sind, kommen Hispano-Wallache zum Einsatz, deren Schweife hochgebunden werden, damit sie sich nicht in der Garrocha verfangen. Schutz vor Fliegen trotz kurzgeschorener Mähne bieten die Stirnfransen der typischen Vaquero-Kandare. Im großen Hirtensattel mit den kohlenschaufel-ähnlichen Steigbügeln reitet man vorwiegend über Gewichtshilfen.
In Schritt und Galopp werden dabei Traversalen, engste Wendungen im Galopp um die Garrocha und sogar Galopp-Pirouetten unter ihr hindurch vorgeführt. Außerdem zeigt man Galoppwechsel, abruptes Halten und schnelles Rückwärtsrichten. Wendigkeit und Schnelligkeit stehen dabei im Vordergrund der atemberaubenden Darbietung.

Kommen wir nun zu den einzelnen Lektionen:

In der Ballotade springt das Pferd mit allen vier Beinen in die Luft, die Hinterbeine werden unter den Bauch gezogen.

In der Croupade springt das Pferd wie zur Ballotade ab, die Hinterbeine werden im Sprung jedoch so angezogen, daß die Eisen (oder Hufsohlen)
von hinten zu sehen sind.

Diese beiden Sprünge sind die Vorstufe zur Kapriole, dem als am schwersten geltenden Schulsprung. Hier streicht das Pferd mit den
Hinterbeinen in dem Augenblick aus, in dem sich der Körper in der Waagerechten befindet. Die Vorderbeine sind hierbei angezogen.
Auch in Saumur wird die Kapriole (hier allerdings "Cabriole", nicht von "Cabrio" weil man so viel Wind ins Gesicht bekommt, sondern von
"se cabrer", "sich erheben") in dieser Form gesprungen.

Beim Hankensprung (auch Courbette double oder Doppelcourbette) verlagert das Pferd sein Gewicht auf die Hinterhand, hebt die Vorhand hoch
empor und vollführt so auf der Hinterhand einen Sprung vorwärts, ohne mit der Vorderhand den Boden zu berühren. Die Vorderbeine sind dabei angezogen.
Seit ca. 1800 bezeichnet man den Hankensprung in der Pesade als Courbette, bei dem die Hinterbeine allein der Sprung ausführen. Die eigentliche
Courbette, das hohe Mezair, ist zu diesem Zeitpunkt weitgehend in Vergessenheit geraten.
Die Courbette der heutigen Zeit besteht aus mehreren Hankensprüngen hintereinander, bei denen das Pferd mit den Vorderbeinen zwischendurch
nicht den Boden berührt.

In Vergessenheit geraten, da nicht mehr benötigt, ist die Lancade. Hier springt das Pferd mit allen vier Beinen hoch und im selben Moment
seitwärts, so daß der Ritter mit seiner Lanze den Gegner (mitsamt dem Pferd) umstoßen konnte. Daher auch nicht mehr benötigt.
Schließlich gibt es für die Genies unter den “Springern” (in Saumur “Sauteurs”) noch die Lektion Schritt und Sprung, hier springt das Pferd
nacheinander Courbette, Kapriole, Courbette...

Mein kleiner Shettyhengst Snoopy beherrscht inszwischen auch schon die Kapriole,Courbette und die Doppelcourbette. Er ist ein ausgezeichneter Springer der unglaublich viel Spaß dabei hat. Ich möchte jedoch alle davor warnen diese Lektionen Ihren Pferden beizubringen, wenn sie sich damit nicht auskennen. Diese Lektionen können sehr gefährlich werden. Das Verhältniss zwischen ranghoch und rangniedrich muss fest geklärt sein. Und diese Dinge gehören nicht in die Hände von Freizeitreitern.

 

 

 

 

 

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